Sascha Gerstner & Stefan Schwarzmann (HELLOWEEN)
Anläßlich des neuen und anscheinend allseits beliebten Albums "Rabbit don't come easy" kamen HELLOWEEN im November für ein Konzert ins Wiener Planet Music. Vor der Show unterhielt ich mich mit den Neulingen Sascha Gerstner (g.) und Stefan Schwarzmann (d.), um die momentane Lage der Band und einiges mehr zu besprechen.
M. L.: Hallo! Wie gehts so, was gibt's Neues und wie läuft die Tour bis jetzt?
S. S.: Was gibts Neues? Also im Moment muß ich sagen, läufts sehr gut. Soweit haben wir Südamerika, Nordamerika, Kanada und Teile Europas gemacht, und wir haben jetzt schon super Resonanzen aus Amerika, was ja noch gar nicht so lange her ist. Normalerweise war geplant, Ende Jänner den asiatischen Raum zu machen. Japan, Thailand, Korea und was da sonst noch so alles ansteht, da wird gerade noch daran gearbeitet. Da die neue Scheibe dort drüben sehr gut läuft, sind die gerade am überlegen, um das ganze zu verlängern. Aber so wie es jetzt im Moment aussieht, werden wir vor Asien wohl noch einmal Amerika mit acht oder zehn Dates machen. Also, wie du siehst, hast du jetzt schon Reaktionen daraufhin, was so weit gelaufen ist, und immerhin war die Band ja schon seit 13 oder gar 15 Jahren nicht mehr in den Staaten auf Tournee, und das ist doch schon eine ganze Weile her.
M. L.: Ich denke, es muß doch immer noch großartig sein, in Japan zu spielen, oder?
S. S.: Das ist halt so der weitaus größte Markt für die Band, Südamerika und Japan. Da gibt es große Venues, und dementsprechend gefüllt sind sie auch. Da herrscht dann schon eine eigene Atmosphäre, das ist Venue-bedingt, und natürlich auch landesbedingt. Man merkt es aber auch am Rest der Welt, daß das ganze irgendwie schon wieder im Kommen ist.
M. L.: Und habt ihr da das übliche langeingesessene HELLOWEEN-Publikum, oder kommen auch neue, junge Leute dazu, die sich ja in erster Linie grundsätzlich an der aktuellen Musikszene orientieren, welche gerade in den Medien angesagt ist?
S. S.: Also ich würde sagen, das Alter im Publikum ist eigentlich eine ganz gute Mischung.

S. G.: Es ist schon interessant, denn in manchen Ländern sind es schon mehr junge Leute, also da ist die Musikrichtung anscheinend wieder mehr hip, aber in Deutschland zum Beispiel hast du wieder mehr älteres Publikum als in Amerika oder in den Ostblockländern.

M. L.: Also ist diese Musik in manchen Ländern doch wieder recht angesagt?
S. S.: Ja absolut, und in Sachen HELLOWEEN kommt dann auch noch der Vorteil dazu, daß sie eine Art Vorreiter dieser Richtung sind, und das wird eben schon gewürdigt. Und daher hast du dann auch eben dieses ältere Publikum, die das Ganze vielleicht schon ein wenig vergessen haben. Also, ich finde, es ist eine ganz gute Balance.
M. L.: Das neue Album "Rabbit don't come easy" ist wohl doch ein ordentlicher Schritt back to the roots und hat allseits gute Kritiken eingefahren. Für alle diejenigen, die es noch nicht gehört haben, was kann man sich grundsätzlich davon erwarten?
S. G..: Also es ist sehr energiegeladen und verglichen mit dem letzten Album auf jeden Fall wieder mehr HELLOWEEN, und da sollte das ja auch eigentlich hingehen. Es wurde wieder viel mehr mit den alten HELLOWEEN-Stilmitteln gearbeitet. Und je länger ich in der Band bin, desto mehr merke ich, daß es irgendwie so auf die alte HELLOWEEN-Manier entstanden ist. Wir haben uns nicht festgelegt, sondern spielten einfach darauf los. Jeder hat so nacheinander seine Ideen eingebracht, und dann hat man die Sachen verarbeitet, wo alle darauf eingestiegen sind und am Ende war das Album fertig. Und so ist allgemein auch das Befinden in der Band, weil jeder sagt "so laß doch einmal hören, und machen wir halt einmal, und probieren wir halt einmal". Genauso sind auch die "Walls..." oder die "Keeper..."-Alben entstanden, wo Weiki heute sagt "damals, das war pures Chaos, und damit sind wir berühmt geworden".

S. S.: Das stimmt schon, und schlußendlich zeichnets aber gerade das aus, also gerade das Wissen, das hier keiner vermessen oder abgehoben ist. Die wissen schon, was da um sich herum passiert, und das ist gerade das Schöne. Man geht auch anders um damit.

M. L.: Und wie seid ihr zu diesem Album-Titel gekommen?
S. G.: Das war ganz witzig. Wir saßen einmal im Café zusammen und haben uns ein wenig Gedanken darüber gemacht. Und dann kam irgendwann der Markus mit der Idee um die Ecke, weil wir einen Haufen Streß hatten während der Produktion und es gab auch viele Probleme. Schon als wir geprobt haben, war der Proberaum überschwemmt und dann ist Mark, der vorherige Drummer, krank geworden, und lauter so streßige Dinge halt. Und da hat Markus gemeint, das schüttet man sich nicht so einfach aus dem Ärmel und erwähnte das englische Sprichwort "putting a rabbit out of the head". Er verglich das mit einem Zauberer, der einen großartigen Trick machen und den Hasen rausziehen will, aber es klappt nicht immer so ganz einfach. Und so ist dann eben der Titel entstanden, "Rabbit don't come easy". Darum auch das Cover mit dem Zauberer, dem Zylinder und dem Hasen, der nicht raus will.
M. L.: Und wie seid ihr auf Mikkey Dee gekommen, der das Schlagzeug auf dem Album eingespielt hat?
S. G.: Das war die Idee von Charlie, weil er Mikkey kannte, und irgendwie mußte diese Platte ja auch fertig werden. Und aufgrund der Krankheit unseres vorigen Drummers hatten wir keine andere Wahl, als auf einen Aushilfsdrummer zuzugreifen, und Charlie wußte eben, mit wem man da gut arbeiten kann.
M. L.: Und ich habe schon befürchtet, daß ihr Schlagzeug aus der Konserve bringt.
S. S.: Nein, da ist die Band zum Glück absolut dagegen.

S. G.: Die Band hat ja auch schon ziemlich viel Rock`n´Roll intus, also das ist eben sehr Old School-mäßig. Viele Nachahmer-Bands, die machen das tatsächlich, viel mit Drum-Computer, Synthies und geschnipselten Gitarren und so. Aber wir legen schon wert darauf, daß das schon sehr handgemacht ist, und so klingt es dann eben auch. Es ist schon ein Unterschied, wenn man es mit anderen Sachen vergleicht.

M. L.: Ja, und ich selbst begrüße diese Vorgehensweise als Hobbymusiker natürlich sehr, und halte den Mikkey Dee auch für einen großartigen Schlagzeuger. Aber der Stefan ist ja auch absolut kein schlechter, und von dem habe ich noch einen Drumstick zu Hause, das ist ein unglaublich dicker Prügel. Das ist wohl schon über zwölf Jahre her, das ich den bei einer Show ergattert habe.
S. S.: Haha, ja, das war noch zu RUNNING WILD-Zeiten und da fielen die Äste noch! Heute würden sie als Baum durchgehen, haha! Das waren wirklich die Wahnsinnsteile und das muß aber schon ziemlich lange her sein.
M. L.: Okay, also Tournee-mäßig habe ich eure Pläne schon gehört, und was darf man sonst noch in Zukunft von HELLOWEEN erwarten?
S. G.: Also wir sind gerade daran, eine DVD zu machen, und die wird nicht nur ein Live-Konzert enthalten, sondern auch jede Menge anderes Material. Alle möglichen Gimmicks und so. Aber bis März sind wir ja einmal auf Tour und danach möchten wir einige Festivals spielen.

S. S.: Da müssen wir mal schauen, ob es genügend Dates sind, daß wir eine Festival-Tour machen können, oder obs dann gleich an die Vorbereitungen zum neuen Album geht. Aber das sind so Sachen, die sich dann wirklich erst ergeben, je mehr du den Terminen näherkommst. Gewappnet wäre man so oder so, egal, wies jetzt laufen würde.

S. G.: Man kann das eh nicht alles so extrem planen, denn am Ende kommts dann vielleicht ganz anders, als man das wollte. Und die Band ist dementsprechend auch dann sehr gerne ziemlich planlos.

S. S.: Und die DVD ist so nebenbei am entstehen und wird mit Sicherheit besser als die letzte, wo die Band nicht so glücklich damit war, weil du eben keinerlei Zusatzoptionen oder Gimmicks hast. Du schmeißt das Ding rein und mußt es fressen, wies Andi immer so gerne sagt, "take it or leave it". Es gibt halt keinerlei Spielereien auf der "High live".

M. L.: Und wie siehts mit dem Live-Set aus, wollen die Leute in erster Linie die Alben aus den Achtzigern hören oder bekommt ihr auch bei neueren Stücken tolle Resonanzen?
S. S.: Es ist echt geil, daß bei den ganz neuen Stücken manchmal die Leute voll abgehen und teilweise sogar die Texte mitsingen. Man kann immer wieder hören, wie sie den Chorus mitsingen, und das finde ich super, wenn man bedenkt, daß die Platte ja erst kurz vor der Tour veröffentlicht wurde.

S. G.: Ich finde den momentanen Mix für mich im Moment auch gelungen, denn auf drängen von Markus hat die Band wieder ältere Stücke ausgegraben, die schon ewig lange oder teilweise auch noch gar nicht live gespielt wurden und dann haben wir zugleich vier Songs von der Neuen, und das ist einfach eine ganz gute Mischung. Na gut, du wirst immer den einen oder anderen haben, der gerne diesen oder jenen Titel gehört hätte, aber das ist, wie man weiß, eh schwierig, und du wirst es nie so hinbekommen, daß jeder rundum zufrieden ist.

S. S.: Wir haben auf jeden Fall einen guten Querschnitt von den meisten Alben und eben ein paar Gimmicks. Und vor allem die ganz alten Sachen sind natürlich der Hammer, womit keiner rechnet. Wir haben gleich am Anfang richtige alte Knaller aus "Walls..."-Zeiten, und die werden eben mit den heutigen Mitteln gespielt. So wie ich das mitbekommen habe, haben die das damals aufgenommen, während der eine oder andere in der Ausbildung war oder auf Teenie gemacht hat. Also die haben die "Walls of Jericho" damals so von der Schulbank weg eingespielt.

M. L.: So klingt sie ja auch!
S. G.: Haha, na klar! Und dann spielst du die Sachen so mit den heutigen Mitteln und jeder ist musikalisch reifer und besser, und dann ist das schon ganz interessant.

S. S.: Ja, da hauchst du so manchem Klassiker echt neues Leben ein, und das macht schon echt Spaß. Und da sind die anderen gottlob auch nicht so gebunden, daß sie sagen "es muß jetzt aber irgendwie so sein". Jeder ist eben besser geworden und gleicht halt seinen Stil nach den heutigen Mitteln an.

M. L.: Und euch macht es natürlich auch Spaß, die alten Songs zu spielen, oder?
S. S.: Absolut, und wenn du die Songs dann auf der Bühne anspielst und es geht ein Raunen durch die Menge und dann geht das Publikum richtig ab, dann weißt du auch warum, und dann machts erst recht Spaß.

S. G.: HELLOWEEN haben halt schon eine Menge legendäre Stücke gemacht, und warum sollen die dann in den Live-Sets fehlen? Und in zehn Jahren spielt man vielleicht irgendwas von der "Rabbit...", und das ist vielleicht dann auch legendär?

M. L.: Was habt ihr denn musikalisch so für persönliche Favoriten, was hört ihr so in eurer Freizeit, oder was hat euch beeinflußt?
S. S.: Da fragst du gerade die zwei Richtigen, haha! Also ich könnte dir jetzt so einen Fächer aufzählen, was auch in der Tat so ist.
M. L.: Irgendwelche Lieblingsbands oder so?
S. S.: Das habe ich schon lange nicht mehr, und bei mir gibts das auch so nicht, daß ich jetzt sage, diese oder jene sind meine absoluten Favoriten. Wenn du jetzt vor meiner CD-Sammlung stehen würdest, dann könntest du nicht erraten, was ich für ein Fan bin. Das ist sowas von kunterbunt gemixt, teilweise auch ins Extreme.

S. G.: Aber so gehts eigentlich fast jedem in der Band, und das macht HELLOWEEN aus, daß wir absolut verschiedenste musikalische Einflüsse haben. Weiki zum Beispiel ist ein voller BEATLES-Fan, und es ist keiner in der Band, wo du jetzt sagen kannst, daß er ein richtiger Heavy Metal-Fan ist und sich eben nur das reinzieht. Und so schreibst du dann halt auch die Songs. Du hast ganz andere Einflüsse, während viele Bands versuchen, HELLOWEEN zu kopieren oder den Stil zu übernehmen und sich nur daran orientieren. Und dann hast du natürlich ganz andere Einflüsse, als wenn du nur BEATLES oder PURPLE oder so hörst. Und so hört jeder von uns die verschiedenste Mucke. Das führt dann am Ende zu dem eigentlichen HELLOWEEN-Stil. Da kann man nicht sagen, das ist irgendwie so typisch und man muß sich da an einer Musikrichtung orientieren. Ich bin eben mehr Musiker als Fan, und das wollte ich auch schon immer so sein. Und so habe ich mich immer an den verschiedensten Sachen orientiert, um einfach besser auf meinem Instrument zu werden, und es ist ähnlich wie bei Stefan, die CD-Sammlung ist so breit gefächert. Alles, was mir gefällt, das höre ich mir einfach an.

S. S.: Ohne Rücksicht auf Verluste. Wenns in dem Moment kickt, und man weiß ja, wie man oft in diversen Stimmungen so ist, dementsprechend ist halt auch der Griff ins Regal.

M. L.: Alles klar. Und den alten Megadrumstick halte ich mit Sicherheit in Ehren, haha!
S. S.: Den hältst du in Ehren, den Baumstamm! Hält er noch, lebt er noch?
M. L.: Natürlich, aber ich glaube, ich könnte damit nicht wirklich gut spielen.
S. S.: Also mittlerweile brauche ich die Dinger auch nicht mehr, aber damals war halt so die Sturm- und Drumzeit (Kult! - J. S.), haha!
M. L.:Dann wünsche ich euch noch alles gute für die Show, und weiter so!
S. S.: Danke, mal sehen ob, haha!
Beim anschließendem Konzert-Abend überzeugte sowohl der Support-Act RAGE als auch HELLOWEEN selbst, und beide Bands wurden im vollen Planet Music mit einer Mörderstimmung abgefeiert. - M. L.